Klangkollektiv

In der Überzeugung, dass Bauen die Gestaltung von Lebensvorgängen ist, schufen der Bauhaus-Direktor Hannes Meyer und sein Partner Hans Wittwer im Auftrag des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes (ADGB) 1928 - 1930 im Bernauer Stadtforst einen Schul- und Internatskomplex, ein Bauwerk der klassischen Moderne. Die Aufnahme in die Liste der UNESCO Weltkulturerbe wurde aktuell beantragt. Die Vorbereitungen zum 100-jährigen Bauhaus-Jubiläum (2019) laufen parallel.

Heute wird das Gebäudeensemble, nach einer Reihe von Umnutzungen, von der Handwerkskammer Berlin erneut als Internat für ein Bildungs- und Innovationszentrum (BIZWA) genutzt. Dort werden Handwerkslehrlinge und Gesellen aus- und fortgebildet. Außerdem begegnen wir auf dem Campus den Schülern des Oberstufenzentrums Barnim, und in den Sommerferien findet seit 2015 eine internationale Sommerschule statt. In direkter Nachbarschaft, ebenfalls im Bernauer Stadtteil Waldfrieden, entstand in der ehemaligen Waldarbeiterschule eine Notunterkunft für 150 Geflüchtete.

Die Architekten Meyer und Wittwer hofften durch die Formgebung der Architektur und die Gestaltung der Räume das Zusammenleben im Kollektiv positiv zu beeinflussen. An unserer 3. Station beziehen wir uns auf den von Meyer geprägten Begriff der "vertikalen Brigaden", in denen Studierende verschiedener Studienjahre beim Bau der Bundesschule zusammenarbeiteten. Wir widmen uns seiner übergreifenden Idee von Gemeinschaft: Gemeinsam mit dem amerikanischen Komponisten Bill Dietz werden wir für einen Moment die unterschiedlichen menschlichen Gruppierungen auf und um den Campus über akustische Mittel zum utopischen Kollektiv werden lassen.

Juli - September 2017